Pilotprojekt auf dem Biohof Aga

Pilotprojekt auf dem Biohof Aga

Ein ungewöhnliches Projekt mit großem Potenzial auf dem Biohof Aga

Wenn man an Kiwibeeren denkt, denkt man eigentlich an robuste Pflanzen im Freiland. Winterhart, unkompliziert und bestens geeignet für den Anbau in Deutschland. Gewächshaus? Eher nicht. Und genau deshalb ist das, was seit 2022 auf dem Biohof Aga in Thüringen passiert, so spannend.

Gemeinsam mit der Lebenshilfe Gera läuft dort ein Modellprojekt, das zunächst aus einer besonderen Situation entstanden ist – und inzwischen zu einer echten Erfolgsgeschichte wird: Kiwiri-Kiwibeeren wachsen hier in einem unbeheizten Gewächshaus. Ein Experiment, das inzwischen seine ersten Früchte trägt – im wahrsten Sinne des Wortes.

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Ein Projekt, geboren aus Veränderung

Der Ausgangspunkt war eine Herausforderung: Durch die Energiekrise musste ein ehemals beheiztes Gewächshaus auf dem Biohof Aga in ein Kalthaus umgewandelt werden. Die Frage lautete plötzlich: Was lässt sich unter diesen Bedingungen sinnvoll anbauen?

Die Suche nach einer geeigneten Kultur führte schließlich zur Kiwibeere. Was zunächst ungewöhnlich klang, entwickelte sich schnell zu einer gemeinsamen Idee. Nach ersten Gesprächen wurde aus einer Überlegung ein Pilotprojekt: 64 Pflanzen, mehrere Sorten und eine Menge Neuland – für alle Beteiligten. Seitdem begleiten wir den Weg der Pflanzen und waren im August 2025 erneut vor Ort, um uns anzusehen, wie sich das Projekt entwickelt hat.

 

Drei Jahre später: Der erste richtige Ertrag

Wer Obst anbaut, braucht Geduld. Gerade Kiwibeeren brauchen einige Jahre, bis sie richtig in den Ertrag kommen. Jetzt, im dritten Standjahr, zeigt sich erstmals deutlich, was in den Pflanzen steckt.

Besonders die Sorte Issai trägt inzwischen viele Früchte. Auch Victoria überrascht mit außergewöhnlich großen Kiwibeeren. Und wer sie direkt frisch von der Pflanze probiert, merkt schnell: Vollreif geerntete Kiwibeeren spielen geschmacklich in einer eigenen Liga. Süß, aromatisch und deutlich intensiver als Früchte, die weite Transportwege hinter sich haben.

Bild: Kiwibeere Issai (Actinidia arguta)

 

Herausforderungen unter Glas

So spannend das Projekt ist, einfach ist es nicht. Kiwibeeren gehören eigentlich ins Freiland. Unter Glas entstehen völlig andere Bedingungen. Besonders im Sommer kann sich Hitze stauen - ideale Voraussetzungen für einen bekannten Gewächshaus-Gast: die Spinnmilbe.

Ein Problem, das im klassischen Freilandanbau praktisch keine Rolle spielt, im Gewächshaus aber Aufmerksamkeit erfordert. Auf dem Biohof Aga setzt man hier konsequent auf biologische Lösungen. Nützlinge helfen dabei, Schädlinge natürlich zu regulieren. Gleichzeitig wird das Projekt laufend beobachtet und angepasst.

Genau das macht Pilotprojekte wertvoll: Man sammelt Erfahrungen, lernt dazu und entwickelt gemeinsam Lösungen.

Bild: Spinnmilbe an einer Kiwibeeren-pflanze im Gewächshaus

 

Bio-Anbau mit Verantwortung

Der Biohof Aga gehört zur Lebenshilfe Gera. Hier arbeiten Menschen mit Behinderung aktiv im Betrieb mit und werden Schritt für Schritt in neue Aufgaben eingebunden.

Auch die Kiwibeeren gehören inzwischen dazu. Ein Mitarbeiter begleitet bereits heute Pflegearbeiten rund um die Pflanzen und übernimmt nach und nach mehr Verantwortung. Das Projekt schafft damit nicht nur regionale Bio-Produkte, sondern eröffnet auch neue Möglichkeiten für Teilhabe und Qualifizierung. Und genau solche Aspekte machen Landwirtschaft oft viel größer als nur Ertrag und Ernte.

Bild: Biohof Aga, Kathrin Stürmer und Richard Hamann

 

Vier Sorten, unterschiedliche Reifezeiten

Damit die Ernte möglichst lange gestreckt werden kann, wurden gemeinsam verschiedene Sorten ausgewählt:

Bild: Kiwibeere Victoria (Actindia arguta)

Die Kombination aus frühen, mittleren und späteren Sorten sorgt dafür, dass die Ernte über mehrere Wochen verteilt werden kann. Besonders spannend: Selbst eher spätreifende Sorten entwickeln sich im Gewächshaus deutlich früher als im Freiland. Ein klarer Vorteil, denn so können regionale Bio-Kiwibeeren schon früher angeboten werden.

Damit die ausgewählten Sorten Früchte tragen brauchen wir natürlich auch Befruchtersorten. Gepflanzt wurden hier zwei verschiedene männliche Kiwibeeren-Sorten, um die Bestäubung noch effizienter zu gestalten:


Wie geht es weiter?

Die Pflanzen stehen inzwischen stabil, wachsen kräftig und werden von Jahr zu Jahr ertragreicher. Das vierte Standjahr verspricht deutlich größere Ernten. Und genau das war von Anfang an Teil des Plans: regionale Bio-Kiwibeeren aus Thüringen nicht nur anzubauen, sondern sie gemeinsam auch zu vermarkten.

Für uns ist dieses Projekt weit mehr als ein Anbauversuch. Es zeigt, was möglich wird, wenn Offenheit, Neugier und gute Zusammenarbeit zusammenkommen. Wir freuen uns darauf, euch die ersten Kiwibeeren vom Biohof Aga künftig anbieten zu können.

Regional. Nachhaltig. Bio. Und mit einer Geschichte, die genauso besonders ist wie die Früchte selbst. Erntefrische Bio-Kiwibeeren aus Deutschland könnt ihr bereits hier vorbestellen: Bio-Kiwibeeren vorbestellen

 

Viel Freude beim Video und beim Blick hinter die Kulissen! 🥝
Richard Hamann und euer Team von Kiwiri

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